Wolfgang Repke, Waldshut
Atomausstieg als realistische Möglichkeit
NZZ vom 27. Februar 2003
Zur dargelegten "Realität" des Atomausstiegs in der Schweiz gäbe es viel zu sagen.
Hier sei nur auf zwei Punkte eingegangen:
- Die Schweiz soll auf Stromexport verzichten und würde dadurch 10.500 GWh
gewinnen. Aber- Zu den Zeiten, in denen diese 10.500 GWh produziert werden,
braucht die Schweiz diesen Strom gar nicht, nur deshalb exportiert sie ihn.
Die Alternative zum Export wäre eine entsprechende, temporäre Leistungsreduktion
der Schweizer Kraftwerke, wie es im Inselbetrieb üblich ist. Gewonnen wird nichts,
vor allem auch keine Kraftwerkskapazität eingespart, denn zu anderen Zeiten
werden ja wieder alle Schweizer Kraftwerkskapazitäten benötigt, und trotzdem
muss noch Strom importiert werden, um den Bedarf der Schweiz zu decken.
- Die Schweiz soll nach dieser "realistischen Möglichkeit" auf 10.500 GWh
Stromexport verzichten, verlangt aber den Import der 2,5-fachen Energiemenge
auf Basis Windkraft aus dem umliegenden Ausland. Schon einmal eine tolle
Idee: Wir geben nichts, aber die anderen müssen uns geben. Um 26.000 GWh pro
Jahr zu erzeugen, müssen diese Windräder erst einmal gebaut und dann nur für
den Schweizer Bedarf betrieben werden: Bei den Windverhältnissen in Mittel-Europa
kann ein Windkraftwerk die Menge an Strom erzeugen, weiche 1.500
VollIaststunden/Jahr entspricht. Um 26.000 GWh zu erzeugen, müssen also
über 17.000 Windkraftwerke von je 1 MW errichtet werden. Einmal abgesehen
von dem Verfahren zur Auswahl der Standorte, der Zeitdauer für
Genehmigungsverfahren mit Offentlichkeitsbeteiligungen, für die Gerichtsverfahren
der Einsprecher und für den Bau der Anlagen und der Übertragungsleitungen:
Für wie realistisch hält ein Schweizer die Idee, das umliegende Ausland
würde für die Schweiz 17.000 Windkraftwerke errichten und auf Dauer betreiben?
Zumal, wenn eine Reihe westeuropäischer Länder selber aus der Kernenergie
aussteigen will und damit die gleichen Probleme auf sich laden würde, wie
die Schweiz, wenn sie für den Verzicht ihrer Kernkraftwerke stimmen würde?
Wolfgang Repke, Waldshut
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