Prof. Hans A. Bethe, Physik-Nobelpreisträger
Statement zur Kernenergie
Das folgende Statement wurde vom 96-jährigen Physik-Nobelpreisträger
Prof. Hans A. Bethe dem Einsender dieses Leserbriefs, Dr. Hans-Rudolf
Lutz, Lostorf, zugestellt. Im Original ist es Englisch, die Übersetzung
machte der Empfänger.
Statement von Prof. Hans A. Bethe
"Moderne Gesellschaften brauchen Energie. Es ist nicht falsch zu
sagen, dass die Entwicklung von Energiequellen ein wesentliches Element
darstellte für die Umwandlung von Agrarkulturen über die industrielle
Revolution zur jetzt sich bildenden post-industriellen Welt in Nordamerika,
Europa und Japan. In Agrarkulturen brauchte es 70 oder mehr Prozent der
Bevölkerung für die Produktion von
Nahrungsmitteln - heute sind es weniger als 5%. Moderne Transportmittel,
Heizung, Kühlung, Lüftung
Weil dem so ist und niemand auf diese Annehmlichkeiten verzichten will,
müssen wir mit der Bereitstellung von genügend Energie weiterfahren.
Damit sind allerdings Kosten verbunden. Ich meine nicht primär Geldkosten,
sondern Umwelt-, Ökologie- und visuell empfundene Kosten. Sie können
bei der Energieproduktionsanlage selbst oder weit weg davon entstehen.
Die wichtigsten drei Energieproduktionstechnologien sind Hydroelektrizität,
Verbrennung fossiler Energieträger und Kernenergie. Es gibt noch
andere, aber keine sind derart universell verfügbar, brauchbar und
kostengünstig. Jede der "drei Grossen" haben ihre spezifischen
Nachteile. Hydroelektrizität hat, insbesondere beim Stau grosser
Flüsse, den Nachteil bedeutender ökologischer und visueller
Auswirkungen. Beim Verbrennen von Kohle Öl und Gas werden verschiedene
Oxide and die Atmosphäre abgegeben, die u.a. sauren Regen und bodennahes
Ozon verursachen. Wichtiger aber: Kraftwerke mit fossilen Brennstoffen
sind die 2.-grösste Quelle von Treibhausgasen die bekanntlich zu
globalen Klimaänderungen führen können. Im weiteren entstehen
Probleme beim Abbau (speziell Braunkohle) und bei der Lagerung der Asche-Abfälle.
Moderne Kernkraftwerke verursachen keine dieser Probleme: Keine Luftverschmutzung
und keine Treibhausgasemissionen. Sie müssen nur einmal jährlich
den Brennstoff wechseln und dies kann für Zeiten geplant werden,
wo kein Spitzenbedarf besteht.
Die Lagerung von radioaktiven Abfällen wird allgemein als Problem
wahrgenommen. Es ist eigentlich keines. Die Technologie der Abfalllagerung
wurde bereits vor vielen Jahren gelöst.
Die Welt und die Schweiz brauche Kernenergie jetzt und in Zukunft. Zusätzliche
Energie ist nötig. Die Wahl ist nicht Kernenergie oder etwas anderes,
sondern Kernenergie oder zu wenig Energie.
In der Schweiz ist der vernünftig nutzbare Teil der Wasserkraft ausgereizt.
Kohlekraftwerke führen zu grösserer Umweltbelastung lokal und
weltweit. Ölkraftwerke verbrennen eine der wertvollsten natürlichen
Ressourcen in sehr ineffizienter Art. die sogenannten Alternativtechnologien
sind heute weder technisch, noch ökonomisch noch hinsichtlich Zuverlässigkeit
genügend entwickelt.
Wenn die Schweiz ihren erreichten hohen Lebensstandard halten will, muss
sie eine angemessene Energieproduktion aufrechterhalten. Vielleicht werden
einmal andere Technologien mit noch kleineren Nachteilen verfügbar
sein. Im heutigen Zeitpunkt gibt es aber keine Alternativen zur Kernenergie."
Hans A. Bethe
Emeritus Professor of Physics, Cornell University
Nobel Laureate in Physics 1967
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