H.R. Lutz, Kantonsrat, Lostorf
Wir brauchen keine Gaskraftwerke
13. Februar 2006
OT 13.2.2006
Wir brauchen keine Gaskraftwerke
Im OT vom 13.02.06. plädiert Herr Steinmann, Direktor des Bundesamtes für Energie, in einem 2-seitigen
Interview für den Bau von Gaskraftwerken, um die Stromversorgungslücke, welche sich gegen 2020 immer
stärker manifestieren soll, zu schliessen. Er nennt diese Lösung einen "fossilen Zwischenschritt",
der notwendig ist, weil ein neues Kernkraftwerk nicht vor ca 2030 in Betrieb genommen werden kann.
Ich teile diese Meinung nicht und möchte 3 Gründe nennen, die gegen einen solchen
"fossilen Rückschritt" sprechen.
-
Die Kernkraftwerke Beznau und Mühleberg müssen nicht - wie dies Herr Steinmann zwischen den
Zeilen seines Interviews unterstellt - nach 50 Jahren (also zwischen 2019 und 2022) ausser
Betrieb genommen werden. Amerikanische Kernkraftwerke der gleichen Bauart erhalten momentan
Lizenzen für eine Betriebsverlängerung von 40 auf 60 Jahre. Es ist deshalb nicht einzusehen,
warum die einwandfrei betriebenen und sicherheitstechnisch auf den neusten Stand nachgerüsteten
Schweizer Anlagen nicht ebenfalls so lange (oder sogar länger!) in Betrieb gehalten werden können.
-
Das Bewilligungsverfahren für ein Ersatzkernkraftwerk wird von Herrn Steinmann mit ca.
20 Jahren Dauer angenommen. Ich habe persönlich das Bewilligungsverfahren für das zentrale
Zwischenlager für alle Kategorien radioaktiver Abfälle in Würenlingen durchgezogen. Es dauerte
inkl. Rahmenbewilligung 8 Jahre. Wenn man noch eine eidg. Abstimmung, die nach revidiertem
Atomgesetz möglich ist, dazuzählt, so kommt man auf max. 10 Jahre. Eine bis zu Anfang der 20er
Jahre auftretende Stromversorgungslücke könnte m.E. ohne weiteres mit vorübergehend erhöhten
Importen gedeckt werden.
-
Gaskraftwerke widersprechen diametral der Treibhausgaszielsetzung des Kyoto-Protokolls.
Obschon der CO2-Ausstoss eines Gaskraftwerks kleiner ist als derjenige eines Ölkraftwerks,
ist er immer noch 100 tausenden von Automobiläquivalenten gleichzusetzen (variiert natürlich
mit der Grösse des Kraftwerks). Dazu kommt, dass Erdgas (CH4) 20 bis 40 mal treibhauswirksamer
als CO2 ist. Bei den unvermeidlich kleinen Leckagen auf den langen Transportwegen (z.B. von
Sibirien) kommt ein erklecklicher zusätzlicher Treibhausanteil zum CO2, der im Extremfall das
Erdgas schlechter als das Öl dastehen lässt.
Ausser in Deutschland spricht heute niemand mehr von einem totalen Ausstieg aus der Kernenergie.
Im Gegenteil: neue Kernkraftwerke sind im Bau oder im fortgeschrittenen Planungsstadium (wie z.B.
auch im Iran!). Die Öl- und Gasvorräte reichen noch für einige Jahrzehnte. Uran und Thorium reichen -
bei optimaler Ausnutzung - für tausende von Jahren. Es wäre an der Zeit, dass diese Tatschen endlich
auch vom Bundesamt für Energie zur Kenntnis genommen würden.
H.R. Lutz, Kantonsrat, Lostorf
|