Alternativen zum "unsaubersten Weg"?

Theo Schaub

Alternativen zum "unsaubersten Weg"?
25. Januar 2007
Aargauer Zeitung

Alternativen zum "unsaubersten Weg"?

In der Ausgabe vom 24. Januar der AZ unterstellt Reto Miloni der Elektrizitätswirtschaft den Anspruch, sie könne mit dem Bau neuer Kernkraftwerke die CO2-Problematik lösen. Selbstverständlich ist diese Problematik nicht lösbar ohne drastische Reduktion unserer Verbrennungsmotoren sowie der Öl- und Gasfeuerungen. Aber ein kompletter Ersatz unserer Kernkraft- durch Gaskraftwerke würde den heutigen Erdgasverbrauch etwa verdreifachen mit entsprechender Erhöhung des CO2-Ausstosses. Ich bin nicht Vertreter der Elektrizitätswirtschaft, aber ich schätze die Situation realistischer ein als Herr Miloni. Vor wenigen Wochen hat er nämlich suggeriert, man käme mit einer Verdoppelung der Alternativenergien nahe an die Energieproduktion der Kernkraftwerke heran. Dies ist eine irreführende Aussage, denn die heutigen 8,1% erneuerbare Energien beziehen sich zum allergrössten Teil auf Wärmeenergie (z.B. Fernwärme 1,8% des gesamten Endverbrauchs an Energie), während sich die heutigen 8,8% Kernenergie ausschliesslich auf die elektrische Energie beziehen.
Die Behauptung, die Beheizung der Schweiz mit nuklear erzeugtem Strom via Wärmepumpen würde fünf bis acht neue Kernkraftwerke erfordern, ist eine krasse Übertreibung. Zwei Kernkraftwerke der Klasse Gösgen oder Leibstadt würden ausreichen, um rund 3/4 der Schweizer Haushalte mittels Wärmepumpen zu heizen.
Ausserdem möchte ich zu bedenken geben, dass es in der Energiedebatte nicht um ein entweder - oder geht, sondern um ein sowohl - als auch. Kein objektiv denkender Mensch, einschliesslich der Stromproduzenten, wird die Berechtigung und Notwendigkeit zur Entwicklung von Alternativenergien verneinen. Aber da es nachweisbar 15 Jahre erforderte, um "die übrigen alternativen Energien" (Sonne, Biogas etc.) von 0,5% auf 0,9% zu steigern ist offensichtlich, dass die recht lange Übergangszeit nicht ohne Kernenergie bewältigt werden kann.



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